Bautzen, 30. Januar 2026
Das Netzwerk tvBUNT reagiert mit scharfem Unverständnis auf die Entscheidung des Bautzener Stadtrats, die Finanzierung der Streetworker-Stelle im Stadtteil Gesundbrunnen einzustellen. Während zivilgesellschaftliche Akteur*innen und professionelle Sozialarbeiter*innen unter schwierigsten Bedingungen wichtige Präventionsarbeit leisten, entzieht die Stadt ausgerechnet dort die Mittel, wo der Handlungsbedarf am größten ist.
Der Stadtteil Gesundbrunnen ist kein neutraler Raum: Er ist ein wichtiger Brennpunkt in einer Stadt, die von einer besorgniserregenden Entwicklung durch die Präsenz rechtsextremer Gruppierungen weiter geprägt ist. Dass es sich hierbei um gefestigte rechtsextremistische Bestrebungen handelt, ist kein bloßer Verdacht: Der Sächsische Verfassungsschutz ordnet zum Beispiel die Gruppierung „Urbs Turrium“ in seinem Bericht nicht nur als rechtsextremistisch ein, sondern stuft sie als derzeit aktivste Gruppe im gesamten Freistaat Sachsen ein.
Streetwork als unverzichtbarer Ankerpunkt
Dabei ist Streetwork weit mehr als reine Extremismusprävention. Die Kernaufgabe besteht darin, jungen Menschen dort zu begegnen, wo sie sind: im öffentlichen Raum. Es geht um das aufmerksame Zuhören, die Unterstützung in schwierigen Lebenslagen, niedrigschwellige Beratung und die Bestätigung der Jugendlichen in ihrer individuellen Entwicklung. Professionelle Streetwork nimmt Wünsche und Sorgen ernst und gibt jungen Bürger*innen eine Stimme.
Nur durch diese verlässliche Begleitung kann Streetwork wirksamen Schutz vor rechtsextremer Vereinnahmung bieten und eine gelebte demokratische Alternative zu den dortigen Strukturen aufzeigen.
„Nazi-Kiez“ statt demokratischer Teilhabe
Die Ambitionen dieser Gruppierung gehen weit über die bloße Präsenz hinaus. „Urbs Turrium“ ruft offen einen „Nazi-Kiez“ für die gesamte Stadt Bautzen aus und versucht, öffentliche Räume ideologisch zu besetzen. Uns liegen Berichte von Jugendlichen vor, die im Gesundbrunnen massiv eingeschüchtert werden. Wer sich nicht der rechtsextremen Ideologie anschließt oder sich als politisch andersdenkend definiert, wird bedroht. In einem Umfeld, in dem solche Strukturen aktiv um Dominanz kämpfen, ist professionelle Streetwork keine freiwillige Leistung, sondern eine demokratische Notwendigkeit.
Ein fatales Signal an die Fachpraxis
Das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Trägerschaft des Evangelisch-Lutherischen Kirchspiels Bautzen hat mit Marcus Döring eine Stelle geschaffen, die trotz widriger Umstände bereits nach wenigen Monaten enorme Erfolge verzeichnete. Am Skatepark Gesundbrunnen wurde mit dem Projekt „Offener Container – Offenes Ohr“ ein dringend benötigter Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche etabliert.
„Dass der Stadtrat diese fachlich exzellent besetzte und dringend notwendige Stelle nun streicht, ist ein Schlag ins Gesicht aller, die sich für ein friedliches Miteinander in Bautzen einsetzen“, erklärt Aileen Böhm, Sprecherin von tvBUNT. „Hier wird an der völlig falschen Stelle gespart. Eine verfehlte Haushaltspolitik und unnötige Investitionen dürfen nicht auf dem Rücken derer ausgetragen werden, die Schutz vor extremistischer Vereinnahmung suchen.“
Forderung nach Kurskorrektur
tvBUNT fordert die Verantwortlichen im Stadtrat und in der Stadtverwaltung auf, diese Entscheidung umgehend zu revidieren. Wer die Existenz und den Einfluss dieser Strukturen weiterhin bestreitet, ignoriert die Realität vor Ort. Wenn die Stadt Bautzen ihre Verantwortung für den Nachwuchs ernst nimmt, darf sie den Gesundbrunnen nicht den rechtsextremen Strukturen überlassen.
Die Sprecher*innen des tvBUNT
