Am Montag steht Bautzen ein weiteres Jubiläum ins Haus. Zum 250. Mal trifft sich die sogenannte Mahnwache, um das zu tun, was sie am besten kann: sich selbst feiern. Seit viereinhalb Jahren steht auf dem Kornmarkt Woche für Woche dieselbe Kulisse.
Dieselben Parolen, dieselben Gesichter, dieselbe Empörung. Nur die Zahl der Reichsflaggen und Traktoren variiert.
Auf dem Jubiläumsflyer ist von „Frieden“, „Völkerverständigung“ und einer Politik die „unserem Vaterland dient“ die Rede. Das klingt nach Pathos, ist aber in etwa so friedlich wie ein Shitstorm.
Hinter den großen Worten steckt der kleine, altbekannte Versuch, rechtes Denken in bürgerliche Verpackung zu stecken.
In diesem Jahr bildeten die Organisatoren und selbsternannten „Pflegekräfte“ der Mahnwache am 27. Oktober ein Spalier für die rechtsextreme Gruppierung URBS TURRIUM.
Eine Woche später, am 9. November, entfernte genau diese Gruppe Kerzen und Blumen von den Stolpersteinen jüdischer Opfer. Der Zusammenhang zwischen dem selbsternannten „Friedensspaziergang“ und geschichtsvergessener Verachtung liegt auf der Hand.
Die Bühne teilen sich in der Vergangenheit AfD-Mitglieder, Freie Sachsen, Verschwörungsideolog*innen und Personen, die meinen, russisches Gas solle künftig direkt nach Bautzen importiert werden. Ein technisches Meisterwerk, wenn man bedenkt, dass die Stadt keinen Hafen hat.
Seit 250 Wochen wird dort dieselbe Geschichte erzählt: die Regierung lügt, die Medien lügen, die Wissenschaft lügt. Nur die Mahnwache spricht die Wahrheit.
Das klingt überzeugend, wenn man auf Belege keinen Wert legt und wissenschaftliche Forschung und Erkenntnisse grundsätzlich nicht anerkennt.
Dass bislang niemand wegen dieser Auftritte im Gefängnis gelandet ist, scheint den Vorwurf einer „Meinungsdiktatur“ allerdings schwer zu stützen.
250 Wochen freie Rede, 250 Wochen Falschbehauptungen und kein einziger Gefängnisaufenthalt. Das muss man erst mal schaffen in einer angeblich unterdrückten Gesellschaft.
Einer der Mitorganisatoren brachte es einmal auf den Punkt: „Wenn hier Rechtsextreme mitlaufen, dann ist das eine gute Sache.“ Diese Offenheit ist selten, immerhin spart sie einem jede Analyse.
Der tvBUNT ordnet ein: 250 Mahnwachen bedeuten nicht 250 Wochen gelebte Demokratie, sondern 250 Wochen Wiederholung derselben rechten Narrative unter wechselndem Wetter. Es ist das Gegenteil von Dialog, getarnt als Meinungsfreiheit.
Der tvBUNT steht für Demokratie, Vielfalt, Fakten und ein Miteinander, das auf Respekt basiert. Wer Frieden will, muss sich der Wahrheit stellen und ihr nicht den Kampf ansagen.
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